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Depressive Kernsymptome, wie sie entstehen und Hintergründe

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Kurz-Selbsttest: Depressive Kernsymptome

Je mehr dieser Merkmale auf Sie zutreffen, umso wahrscheinlicher leiden Sie derzeit unter einer leichten, mittleren bis schweren Depression.

S = Sleep (Schlafstörungen, Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen)
A = Appetite (Appetitverlust oder zu viel und ständigen Appetit)
D = Dysphoria (Dysphorie) Die Dysphorie ist ein Gemütszustand, bei dem die Stimmung des Betroffenen bedrückt bis gereizt ist. Dysphorie ist das Gegenteil von Euphorie.

A = Anhedonia (allgemeine Freudlosigkeit)

F = Fatigue (öfter bis ständig auftretende Müdigkeit)
A = Agitiertheit/Verlangsamung (Schlafstörungen) ruheloses, von Gefühlen der inneren Anspannung begleitetes Getriebensein, das in wiederholte unproduktive Aktivitäten (z.B: ständiges Händereiben oder Hin- und Herlaufen, an der Kleidung zupfen) mündet.
C = Concentration (Konzentrationsstörungen)
E = Esteem (Selbstwertprobleme)
S = Suicidal thoughts (Suizidgedanken / Selbstmordgedanken)


Stellen Sie sich die Frage:

Wieviele der oben aufgezeigten Merkmale treffen derzeit auf Sie zu?
Bleiben Sie dabei aber objektiv, schönen Sie bitte nichts, es ist wie es ist, Sie machen diese Test`s nur für sich.




Depressive Kernsymptome. Ein psychopathologischer Beitrag.
Autor: Dr. med. Hans-Peter Haack, Neurologe und Psychiater.

Zum Thema dieses Beitrags siehe auch « Subklinische Agitiertheit» vom gleichen Autor.


Keywords:
Depression - Burn out - Dysthymie - Agitiertheit - maskierte Depression

Diagnostisch schwierig werden können leichte depressive Episoden, wenn der Patient seine Freudlosigkeit akzeptiert hat und sich in seinen Angaben auf die körperlichen Beschwerden beschränkt, mit denen eine Depression häufig einhergeht, wie Kopfdruck (der Patient spricht dann meist von Kopfschmerz), Beklemmungen in der Brustregion (die auch als Schmerzen bezeichnet werden), Schwindel, Rückenschmerzen und andere Symptome.

Für diese Möglichkeit wurden die didaktischen Bezeichnungen maskierte, larvierte und somatisierte Depression eingeführt. Die Depression verbirgt sich in diesen Fällen hinter der Maske oder Larve von somatischen Präsentier-Symptomen. Die drei gleichsinnigen Diagnosen sind deskriptiv zu verstehen, nicht ätiologisch.

Eine weitere diagnostische Schwierigkeit kann die Unterscheidung zwischen Burn-out-Syndrom und leichter depressiver Episode bereiten. Ab welcher Symptomkonstellation ist es sinnvoll, ein Burn-out-Syndrom mit einem Antidepressivum zu behandeln?

Der Verfasser teilt hier seine diagnostischen Erfahrungen mit aus nahezu vier Jahrzehnten nervenärztlicher Tätigkeit, davon 28 Jahre in eigener Praxis. Bei Patienten, die ihm mit einer neurologischen Fragestellung überwiesen wurden, stellte sich mitunter heraus, dass sie an einer Depression litten und neurologisch unauffällig waren.

Im Verlaufe der Jahre hat er ein diagnostisches Raster entwickelt, das sich psychopathologisch sehr wohl begründen lässt, und das sich bewährt hat:
Die Simultanität der vier depressiven Kernssymptome

  • Antriebshemmung,
  • Stimmungseinengung,
  • innerer Unruhe und
  • 24-Periodik der Symptomausprägung.


Antriebshemmung und Stimmungseinengung sind diagnostisch unspezifisch! Sie treten auch beim Burn-out-Syndrom auf. Als depressives Symptom ist ein Energieverlust erst dann ausgewiesen, wenn er mit innerer Unruhe einhergeht. Diese innere Unruhe ist Ausdruck einer
subklinischen Agitiertheit .

Bestehen bei einem Burn-out-Syndrom innere Unruhe und eine 24-Stundenperiodik der Symptomschwere, muss die Diagnose in leichte (oder mittelgradige) depressive Episode geändert werden.

In den diagnostischen Manualen ICD-10 und DSM-IV werden Agitiertheit oder Hemmung einander gegenübergestellt, als würden Erregung und Adynamie in der Depression einander ausschließen. Doch so verhält es sich nicht. Agitiertheit ist ein obligates depressives Symptom von hoher diagnostischer Wertigkeit, - von Fall zu Fall unterschiedlich ausgeprägt, von subklinisch bis zu vordergründiger Intensität (agitierte Depression).

Innere Unruhe ist dem Patienten in Mimik und Gestik nicht anzumerken. Und er wird nur selten spontan diese Befindlichkeitsstörung nennen, allenfalls im Erstkontakt als Gesprächseröffnung mitteilen, dass er nervös geworden sei.

Bei dem Verdacht auf eine depressive Episode muss gezielt nach innerer Unruhe gefragt werden.

Das an vierter Stelle genannte depressive Kernsymptom der 24-Stunden-Periodik ist ebenfalls diagnostisch hoch spezifisch.
Meist geht es dem depressiven Patienten morgens und vormittags am schlechtesten. Am späten Nachmittag und abends tritt regelhaft eine leichte Besserung ein und das Einschlafen ist nicht erschwert. Einige Stunden nach Mitternacht setzt dann die depressive Symptomatik wieder mit aller Schwere ein, sodass der Patient aufwacht und nicht mehr weiterschlafen kann.

Antrieb und Stimmung repräsentieren einen seelischen Fundamentalbereich, der als seelische Dynamik zusammengefasst werden kann (W. Janzarik 1959). Die Depression ist nach Janzarik gekennzeichnet durch eine dynamische Restriktion, die Manie durch eine dynamische Expansion. Die psychopathologische Sicht von Janzarik integrierend, besteht das Basisgeschehen der Depression aus der Trias dynamische Restriktion, Agitiertheit und Balance-Störung des biologischen 24-Stunden-Rhythmus.

Liegt diese, sehr organisch anmutende Konstellation vor, schlagen Antidepressiva in der Regel an. Fehlen Agitiertheit und circadiane Schwankungen, wie bei der Dysthymie oder beim Burn-out-Syndrom, ist mit Psychotherapie mehr zu erreichen, als mit einer thymoleptischen Medikation.

Übersicht
Anschrift des Verfassers:
Dr. med.
Hans-Peter Haack, Neurologe und Psychiater.
Humboldtstraße 5, 04105 Leipzig.
Korrespondenzadresse eMail: hans-peter.haack@t-online.de



Wir danken Dr. med. Hans-Peter Haack für das Veröffentlichungsrecht auf unserern Webseiten.





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